Deutschland ist das europäische Schlusslicht im Schienenverkehr
Montag, den 7. November 2011Die Lobby der Bahnbefürworter “Allianz pro Schiene” bemängelt die Bevorzugung des Straßenverkehrs und die mangelnde Unterstützung eines sinnvollen Schienenverkehrs. Demnach wird laut einer aktuellen Studie in Deutschland viel weniger Geld in das Schienennetz investiert, als in unseren Nachbarländern. Deutsche sparen an der Schiene, könnte man titeln.
Das Beratungsunternehmen der Interessengemeinschaft (SCI Verkehr) ermittelte einen jährlichen Investitionswert von 53 Euro pro Bundesbürger. Damit ist Deutschland das Schlusslicht innerhalb Europas. Der Wert der Schweiz beträgt dagegen 308 Euro pro Einwohner, Österreich gewährt 230 Euro und selbst die deutlich abgeschlagenen Länder Italien und Frankreich investieren jährlich 99 bzw. 90 Euro pro Einwohner in das Streckennetz. Dirk Flege, der Geschäftsführer von “Allianz pro Schiene”, bezeichnete diese ernüchternde Zahl als “Alarmsignal für einen besorgniserregenden deutschen Sonderweg” und fordert (wie bereits 2009) eine Summe von mindestens 5 Milliarden Euro jährlich vom Bund.
Besonders der Vergleich zu den benachbarten Transitländern Schweiz und Österreich mache deutlich, das die Bundesrepublik sich dem allgemeinen Trend, den Güterverkehr auf die Schienen zu verlagern, nicht anschließt.
Ein erneuter Vergleich mit der Schweiz verdeutlicht dies. So werden in unserem Nachbarland 130 Euro pro Kopf für den Straßenverkehr berücksichtigt und das liegt deutlich unter dem Betrag für das Schienennetz. Hierbei sollte man zudem bedenken, dass sich die Schweiz – auf Grund ihrer geografischen Bedingungen – mit erschwerten Bedingungen für Straßenbauer abfinden muss. Deutschland investiert dagegen für jeden Einwohner 81 Euro im Jahr und liegt damit deutlich über der Investition in das Schienennetz. Dieser Vergleich zeigt deutlich die unterschiedlichen Prioritäten im Verkehrsnetz.
Die Studie des Beratungsunternehmen SCI geht jedoch noch weiter und hat auch einen weltweiten Vergleich angestellt. Hierbei hat man sich von einer pro Kopf-Berechnung getrennt und auf die jeweilige Wirtschaftskraft der Länder bezogen. Auch hier ist unser Land weit abgeschlagen. Nur die Spitzenreiter des europäischen pro-Kopf-Vergleichs, also Österreich und die Schweiz, können mit Ländern wie Russland oder China mithalten. Lars Neumann, der Geschäftsführer des Beratungsunternehmen SCI, äußerte hierzu wörtlich “Gemessen an seiner Wirtschaftskraft verliert Deutschland den Anschluss innerhalb seiner Liga.”
Umweltschützer und genervte Autofahrer fordern schon lange einen Ausbau von Bahnverbindungen und gerade als Transitland sollte diese Variante eigentlich stärker gefördert werden. Es ist kein Geheimnis, dass eine vernünftige Infrastruktur den Standortvorteil eines Landes deutlich erhöht.
Aber das deutsche Schienennetz schrumpft laut Auskunft der Bahn- Lobbyisten. Allein in den letzten 10 Jahren wurde das Gleisnetz um fast 8 Prozent auf nicht einmal 34.000 Kilometer gekürzt. Damit reicht das Streckennetz nicht einmal an die Länge der zur Verfügung stehenden Bundesstraßen heran, von den verfügbaren Autobahnen ganz zu schweigen.








