VerkehrsmittelVergleich.de - Schnell und günstig durch Deutschland


Archiv des Tags ‘Koalitionsvertrag’

Koalitionsvertrag kündigt Ausbau der Fernbusse an

Mittwoch, den 18. November 2009

Die Linien der Fernbusse wurden einst beschränkt und eingegrenzt, um den Aufbau des Bahnnetzes zu unterstützen. Einzige Ausnahmen waren bisher: Fernbusse ins ehemals geteilte Berlin und ins Ausland. Im neuen Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP kündigt ein Satz nun allerdings ein Umdenken an: „Wir werden Busfernlinienverkehr zulassen.“

Die deutsche Busbranche zeigt sich offen für die neuen Aufgabenfelder. Gunther Mörl, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer, weiß, dass die Bahn für Geschäftsleute schon alleine aus zeitlichen Aspekten unschlagbar bleiben wird. „Mit den Buslinien könnte sich aber vor allem für diejenigen eine Alternativen auftun, die mehr Zeit haben und günstig reisen wollen“, sagte Mörl weiter.

Das Internetportal von autaro.de verkündete in dieser Woche, dass die Fernbusse auch die CO2-Emissionen senken werden und sieht darin eine Chance für den Umweltschutz. So pauschal positiv können Fernbusse unter diesem Aspekt jedoch nicht ausgelegt werden. Der Verkehrswissenschaftler Karl-Hans Hartwig machte dazu eine einfache Rechnung auf: „Ein vollbesetzter Bus ist umweltfreundlicher als eine schwach besetzte Bahn und umgekehrt.“

Auch der bahnfreundliche Verkehrsclub Deutschland (VCD) befürwortet den Ausbau des Netzes der Fernbusse. Für den VCD liegt ein weiterer Vorteil im sozialen Bereich, da durch die Fernbusse auch Menschen mit weniger Geld mobil sein und quer durch Deutschland reisen können. Als „durchaus positiv“ bewertet auch der ADAC die Pläne im Koalitionsvertrag. Der Sprecher Maximilian Maurer denkt dabei an eine Entlastung der Fernstraßen und glaubt, „dass es für die Reisenden nur gut sein kann, wenn die Bahn ihre Monopolstellung zugunsten von mehr Wettbewerb verliert“.

Bei der Frage, ob die Fernbusse eine wirklich ernstzunehmende Konkurrenz für die Deutsche Bahn werden könnten, sind sich Branchenexperten allerdings noch uneinig. Die Bahn selbst äußerte sich noch nicht zu den Plänen der Fernbusse, da sie erst abwarten wolle, „wie die gesetzliche Regelung in der Praxis aussieht“, gab ein Sprecher bekannt. Fest steht allerdings auch, dass die Deutsche Bahn selbst mit über 13000 Fahrzeugen der bundesweit größte Busanbieter ist.

Share

Die Verkehrspolitik im neuen Koalitionsvertrag

Mittwoch, den 4. November 2009

Der Koalitionsvertrag steht und auch die Verkehrspolitik spielt eine wichtige Rolle. Auf 132 Seiten haben Union und FDP ihre Wünsche und Pläne niedergeschrieben – acht Seiten davon zum Thema Mobilität. Erste große Veränderung ist der neue Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: der 55-jährige Dr. Peter Ramsauer (CSU).

Im Einzelnen hat sich die Schwarz-Gelbe Regierung im Koalitionsvertrag auf folgende Ziele für die Verkehrspolitik geeinigt:

  1. Kein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen
  2. Keine Einführung einer City-Maut für Großstädte
  3. Ausbau des Straßennetzes sowie Vereinfachung von Planung und Genehmigung von Bauanträgen
  4. Einführung eines neuen und flexiblen Verkehrsleitsystems, um Staus entgegenzuwirken
  5. Vereinfachung und Überprüfung der Feinstaub-Vorschriften innerhalb der Umweltzonen
  6. Mehr Einsatz von Fernbussen
  7. Strengere Regulierung des deutschen Schienennetzes (langfristig eine Privatisierung der Bahn)
  8. Vertiefung der Fahrrinnen zu den Seehäfen, damit größere Frachter Deutschland ansteuern können
  9. Einführung von „internationalen wettbewerbsfähigen Betriebszeiten“ an deutschen Flughäfen; womit der Verkehr in der Luft steigen wird (möchlicherweise Aufhebung des Nachtflugverbots)
  10. Förderung der Entwicklung von Elektrofahrzeugen und Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur mit Ladestationen (bis 2020 sollen eine Millionen E-Autos in Deutschland zugelassen werden)

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) bewertet die Verkehrspolitik im Koalitionsvertrag als „weitgehend positiv“. So entsprächen einige der Vorschläge den Überzeugungen des ADAC’s: Die Ablehnung des Tempolimits, die Überprüfung der Umweltzonen, die Ablehnung einer City- und PKW-Maut sowie die Ablehnung von generellen innerstädtischen Fahrverboten.

Deutlich kritischer tritt der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) in die Öffentlichkeit. Der Club spricht beim verabschiedeten Koalitionsvertrag sogar von einem Trauerspiel für Klima- und Verkehrspolitik. Für den Verkehrsclub Deutschland sind die geplanten Maßnahmen wie das Aufweichen von Umweltzonen, der Stagnation der LKW-Maut und Nachtflugverboten ebenso ein Zeichen für eine negative Trendwende von Union und FDP wie die fehlenden CO2-Reduktionsziele im Bereich der Verkehrspolitik. In einer Pressemitteilung verdeutlich der VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen die Hoffnungen, die er auf den Koalitionsvertrag setzte: „Für eine klimaschonende und sichere Mobilität brauchen wir endlich ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen, die Ausweitung der Umweltzonen, mehr Investitionen in den Erhalt und den Ausbau eines flächendeckenden Schienennetzes.“

Auch die Allianz pro Schiene, das Bündnis zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs in Deutschland, kritisiert, dass es der neuen Bundesregierung „an Geist, Phantasie und klaren Zielen“ fehle und vermisst eine oft angekündigte Aufbruchsstimmung. Beispiele für eine Fehlentwicklung seien die drastischen Absagen an die City-Maut, einer höhere LKW-Maut oder Tempolimits auf deutschen Autobahnen.

Share